Arzneimittel für Kinder sollen sicherer werden
Eine neue EU-Verordnung schreibt für Neuzulassungen von Arzneimitteln demnächst auch klinische Studien mit Kindern vo. Was Eltern beachten sollten, wenn der Nachwuchs Medikamente einnehmen muss.
Wenn Kinder Arzneimittel benötigen, ist dies nicht immer ohne Risiken. Zu wenig ist bislang über Wirkungen und Nebenwirkungen bei den Jüngsten bekannt. Kein Wunder: Der Gesetzgeber verbietet bislang klinische Prüfungen von Medikamenten an Kindern. Das soll sich demnächst ändern: Eine neue EU-Verordnung ("on medicinal products for paediatric use"), die Ende 2006 bindend werden soll, sieht vor, dass bei der Neuzulassung eines Arzneimittels klinische Prüfungen auch bei Kindern zwingend werden - es sei denn, eine Indikation ist für Kinder irrelevant.
Um Zulassungen entsprechender Arzneimittel nicht zu verzögern, kann die Prüfung auch zurückgestellt, muss dann aber nachgeholt werden. Da klinische Forschung mit Kindern besonders aufwändig ist, sollen die Hersteller als Anreiz zukünftig einen um sechs Monate verlängerten Patentschutz erhalten. Weist ein Pharma-Unternehmen bei bereits auf dem Markt befindlichen Arzneimitteln die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit für die Behandlung von Kindern nach, erhält es eine neue zehnjährige Schutzfrist.
Wichtig zu wissen: Trotz EU-Verordnung sollten Eltern ihren Jüngsten nicht bedenkenlos Medikamente verabreichen, sondern die Einnahme immer mit einem Arzt oder Apotheker absprechen. Dr. Philip D. Walson, Leiter von klinischen Versuchsreihen am Children's Hospital Medical Center in Cincinnati, hat einige Tipps für Eltern:
* Die Packungsbeilage gründlich lesen: Eltern, die ihren Kindern Medikamente geben, sollten absolut sicher sein, dass sie die Arzneimittel-Informationen verstanden haben. Daher den Beipackzettel vor der ers-ten Einnahme gründlich studieren und im Zweifelsfall nachfragen.
* Immer das richtige Dosierungsmittel verwenden: Ob man seinem Kind einen Teelöffel oder einen Esslöffel Tropfen gibt, ist ein Riesenunterschied. Auch ein Teelöffel kann unterschiedlich groß sein. Tipp: Eine aufziehbare Spritze mit Milliliteranzeige bietet eine exakte Dosierung. Diese bekommt man beim Arzt oder in der Apotheke.
* Keine Medikamente im Dunkeln verabreichen: Auch wenn das Kind plötzlich mitten in der Nacht ein Medikament benötigt: Tropfen, Säfte oder Pillen nie im Dunkeln verabreichen. Bei fehlendem Licht ist nicht nur eine exakte Dosierung nahezu unmöglich, sondern es kann auch schnell zu Verwechslungen kommen.
* Nicht nachdosieren: Wenn die Kleinen das Medikament einfach wieder ausspucken, ihm nicht noch einmal die gleiche Menge verabreichen. Da Sie nicht wissen, wie viel von dem Mittel es bereits geschluckt hat, besteht die Gefahr einer Überdosierung.
* Medizin ist kein Bonbonersatz: Eltern sollten, um ihrem Kind ein Medikament schmackhafter zu machen, das Mittel keinesfalls als Bonbon bezeichnen. Sonst glaubt es nicht, dass es sich um eine Medizin für den Notfall handelt und greift unter Umständen unbeaufsichtigt zum Medikamentenschrank.
* Kein Aspirin für Kinder: Kleinkinder und Teenager sollten keine Acetylsalicylsäure einnehmen, da dies möglicherweise das Auftreten eines Reye-Syndroms (einer schweren Schädigung der Organe, v. a. der Leber und des Gehirns) begünstigen kann. Bei Schmerzen und Fieber - wenn nötig - besser Ibuprofen geben.
|