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Das Schultergelenk: gelenkig, aber anfällig

Nach oben, nach unten und zur Seite: Kein anderes Gelenk ermöglicht solch einen großen Bewegungsspielraum wie die Schulter. Die Arme können in einem vollständigen 360 Grad-Winkel agieren. Das schafft außer der Schulter kein anderes Gelenk.

Ihre enorme Bewegungsfreiheit verdankt sie ihrer hauptsächlich muskelgeführten Anatomie. Der kugelige Oberarmkopf ist im Verhältnis zur Gelenkpfanne zu groß, was dem Gelenk seinen großen Bewegungsspielraum ermöglicht. Gehalten und stabilisiert wird die Schulter vor allem durch die umgebenden Weichteile aus Muskeln, Sehnen, Schleimbeutel, Gelenkkapsel und Bänder. Große Bedeutung hat dabei die so genannte Rotatorenmanschette, eine Sehnenplatte, die am Oberarmkopf ansetzt und unter dem knöchernen Schulterdach verläuft. Sie ist für das Heben des Armes sowie Drehbewegungen wichtig.

Wenn es eng wird in der Schulter

Sämtliche Weichteile befinden sich im Schultergelenk auf engstem Raum. Gerät das komplexe Zusammenspiel z. B. durch gleichförmige Bewegungsmuster und Überanstrengung aus dem Lot, kann es zu einem Schulterengpass-Syndrom (Impingement-Syndrom) kommen. Dabei ist der sowieso schon knappe Raum zwischen Oberarmkopf und Schulterdach verengt. Jede Bewegung des Armes reizt auf mechanische Weise die dazwischen verlaufenden Sehnen sowie Schleimbeutel. Als Folge treten Entzündungsreaktionen auf, schlimmstenfalls erfolgt ein Riss der Sehnenplatte.

Große Beschwerden bereitet eine akute Schleimbeutelentzündung (Bursitis). Schleimbeutel mildern den Druck an den Reibungspunkten zwischen Knochen und Muskelgewebe. Weil das entzündete Gewebe anschwillt und im engen Schultergelenk keinen Platz zum Ausweichen findet, ruft jede noch so kleine Bewegung starke Schmerzen hervor - selbst in Ruhestellung oder nachts. Als erste Maßnahme empfiehlt der Bremer Heil- und Chiropraktiker Bernd A. Glander, das Gelenk zu schonen. "Das Gewebe ist völlig überreizt. Zusätzliche Bewegung würde den Zustand nur noch verschlimmern." Vor einer totalen Ruhigstellung über einen längeren Zeitraum hinweg warnt Glander jedoch ausdrücklich. "Kein anderes Gelenk versteift so schnell wie die Schulter."

Auslöser der Entzündung ist meist eine krankhaft veränderte und verdickte Sehne im so genannten Obergrätenmuskel der Sehnenplatte im Schultergelenk. Diese drückt den Schleimbeutel an das knöcherne Schulterdach, was quasi zu einer Dauerreizung führt. Schuld ist meist eine Überlas-tung durch einseitige Armbewegungen (Bildschirmarbeit, Supermarktkasse, Sport) oder extremer Druck auf die Gewebe (kopfüber arbeiten).

Ebenfalls schmerzhaft: Verkalkungen

Auch Verschleißerscheinungen der Halswirbelsäule oder ein Bandscheibenvorfall in dieser Region gehen häufig mit Schulterschmerzen einher. Weitere Ursache: ein Kalkeinbruch. Bei der Kalkschulter bildet sich in einer der Sehnen der Rotatorenmanschette ein Kalkdepot, das plötzlich aufbrechen und in das Innere des Schleimbeutels gelangen kann. Kalkdepots entstehen durch immer wiederkehrende Verletzungen oder auch durch lokale Durchblutungsstörungen der Sehnen. "Erste Anzeichen machen sich häufig in einer Bewegungseinschränkung bemerkbar", meint der Heil- und Chiropraktiker. Betroffen sind insbesondere Menschen im mittleren Alter.

Doch egal, welcher Grund hinter der Erkrankung steckt. Grundsätzlich ist wichtig, "dass die Beschwerden auskuriert werden", betont Glander. "Geschieht das nicht, endet sie im chronischen Schmerz."

So beugen Sie Schulterbeschwerden vor:

* Für Bewegungsausgleich sorgen: Stundenlanges Sitzen/einseitige Bewegung führt zu Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich. Muskeln und Sehnen verhärten sich, verkürzen und nehmen an Belastbarkeit ab. Ausgleichende Bewegungen durch Sport, z.B. Schwimmen und Nordic-Walking mit seinem bewussten Armeinsatz, tragen zur Entspannung und Kräftigung der Muskulatur im Schultergürtel bei.

* Ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz: Je genauer ein Arbeitsplatz auf seinen Nutzer zugeschnitten ist, umso besser können Fehlhaltungen des Rückens und muskuläre Überbelastung vermieden werden. Wichtig: Schultern kippen bei sitzender Tätigkeit schnell nach vorne. Deshalb bewusst gerade halten.

* Schulterschonend arbeiten: Dauerndes Überkopfarbeiten fördert eine Enge im Schultergelenk. Besser ist, durch den Einsatz z. B. von Leitern oder Verlängerungsgriffen für Pinsel Schulterbelastungen zu reduzieren.

* Druck vermeiden: Eine gereizte Schulter reagiert empfindlich auf seitlichen Druck. Beim Schlafen die Rücken- oder Bauchlage vorziehen. Ein Kissen in die Achsel der betroffenen Schulter gelegt, verringert die Gefahr, sich im Schlaf auf die Seite zu rollen.

* Lasten nah am Körper tragen: Heben, Ziehen oder Drücken von schweren Gegenständen sollte nicht aus der Schulter heraus geschehen, sondern mit der umliegenden Muskulatur der Arme oder des Rumpfes. Gewicht stets auf beide Arme verteilen, z. B. beim Tragen von Taschen.

* Schonung: Sportliche Betätigung sollte bei akuten Schulterbeschwerden vermindert werden. Völlig falsch wäre jedoch ein totaler Bewegungsverzicht. Besser ist, sich sanft und maßvoll zu bewegen.

* Selbstbeobachtung: "Nicht die Verantwortung beim Therapeuten abgeben, sondern sich selbst beobachten und fragen: Was führt zum Schmerz?", erklärt Bernd A. Glander.

Diese Übungen dehnen und kräftigen:

Übung 1: Gerade sitzen oder aufrecht stehen. Bauchmuskeln anspannen, Hohlkreuz vermeiden. Die Arme hinter dem Rücken fassen und verschränken, Handflächen zeigen nach innen. Die Arme nach hinten oben ziehen, Spannung 10 Sekunden halten, 5-mal.

Übung 2: Aufrecht an eine Wand stellen, Arme und Handflächen an die Wand drücken, Handflächen zeigen zur Wand. Bauch und Rücken anspannen, die Schulterblätter zusammenschieben. 15 Sekunden halten, 5-mal.

Hilfe bei Beschwerden:
Wer Schmerzen in der Schulter-Nacken-Region oder am Ellenbogengelenk spürt, sollte den Gang zum Arzt nicht auf die lange Bank schieben. Haben sich die Schmerzen erst einmal festgesetzt, besteht die Gefahr einer Chronifizierung. Bestehen die Schmerzen länger als sechs Wochen, gelten sie als chronisch. Erste Maßnahme des Arztes ist daher schnellstmögliche Schmerzfreiheit - meist durch Kortisonspritzen und/oder Schmerzmittel. Darüber hinaus wird der Arzt ein individuelles Therapieprogramm erstellen, in dem anfangs konservative Behandlungen wie z. B. Krankengymnastik, Massagen oder Kälte-/Wärmeanwendungen im Vordergrund stehen. Alternative Behandlungsformen wie Akupunktur, Neural- oder Magnetfeldtherapie haben sich ebenfalls bewährt. Meist wird erst bei anhaltenden Beschwerden oder wenn andere Therapien nicht anschlagen, zur Operation geraten. Link-Tipp bei Schmerzen: www.schmerzhilfe-berlin.de

Quelle: Medical Mirror 01/06 - Autorin: Anke Mirsch

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